Chronik

Die Gründung 1955

Die Geschichte der Kulturgemeinde Gernsbach begann im Jahre 1955. Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, nachdem der erste Nachkriegshunger gestillt war und die Zukunft der Gemeinde und Stadt Gernsbach wieder etwas optimistischer gesehen wurde, entstand ein zweiter Hunger nach Kultur, nach Musik, Bildung und Literatur. Träger dieses Bildungsdranges waren Bürgerinnen und Bürger der Stadt Gernsbach.

Als direkte Begründer der Kulturgemeinde gelten Felix, Ellen, Gerd und Klaus Hoesch sowie Gustav Abel. Sie alle waren mit der Papierfabrik Schoeller & Hoesch verbunden. In ihr entstand aus einem damals noch gültigen Verantwortungsgefühl für Mitarbeiter und Kommune der Hunger auf Bildung, auf Kultur und Sport, auf ein Leben in einer Gemeinde, einer Stadt, in einem Gemeinwesen, es entstand die Kulturgemeinde Gernsbach, in die am Gründungstag sofort 174 zeichnende Mitglieder eingetreten sind. Als erster Vorsitzender wurde Klaus Hoesch gewählt, dessen umfangreiche Kontakte zu Musikern und Literaten ihn für diese Aufgabe prädestinierten. Damals war es vor allem die Musik, die alle zusammenführte. Das Hoesch-Quartett, bestehend aus Günther Weigmann (Sologeiger beim SWF), Felix Hoesch (2. Violine), Gustav Abel (Viola) und Elisabeth Lang (Violoncello), bildete die Keimzelle, aus der sich die Kulturgemeinde entwickelte. Besonders unter dem Vorsitz von Ellen Hoesch kamen zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus Literatur und Geisteswissenschaften nach Gernsbach.

 

Kulturellen Auftrag eindrucksvoll erfüllt

In der Gründungssatzung von 1955 hieß es, dass die Kulturgemeinde „ihren Mitgliedern und der breiten Öffentlichkeit geistig und künstlerisch wertvolles Kulturgut aus Vergangenheit und Gegenwart zu vermitteln“ suche. In der heutigen Satzung klingt die Aufgabe der Kulturgemeinde nüchterner. Dort heißt es nun: „Der Verein hat die Aufgabe, das Kulturleben in der Gemeinde Gernsbach zu fördern. Dazu gehört insbesondere die Durchführung von Konzerten, Theateraufführungen, Lesungen, Vorträgen und sonstigen kulturellen Veranstaltungen.“ Dabei ist der Blick in die Vergangenheit allerdings auch heute nicht ausgespart worden. Kommt schon die Musik mit ihrem Schwerpunkt Kammermusik nicht ohne den Blick auf die Vergangenheit aus, so zeigt der Bereich Literatur bis heute seine Verpflichtung gegenüber den Dichtern der Vergangenheit, wie es die Geburtstags- und Todestagsjubiläen nahelegen. Es war vor allem den guten Kontakten von Ellen Hoesch zu verdanken, dass viele bekannte Persönlichkeiten, deren Namen die Feuilletons der großen Zeitungen füllen, in Gernsbach bei der Kulturgemeinde zu Gast waren. Erinnert sei an Marcel Reich-Ranicki, Peter Wapnewski, Siegfried Lenz, Günter Kunert, Gabriele Wohmann, Uwe Johnson, Peter Handke, Wolfgang Hildesheimer, Peter Härtling, Kurt Sontheimer und Peter W. Jansen.

 

1997 - Führungswechsel und neue Ideen

Ellen Hoesch und Gustav Abel zogen sich 1997 nach 27 Jahren Kulturarbeit aus Altersgründen aus dem Vorstand der Kulturgemeinde zurück. Ihre Nachfolger wurden Juliane Küssner und Prof. Dr. Ralf Winnes. Ralf Winnes ergänzte die Bereiche Musik und Literatur um die Sparte Zeitgeschehen, in der nun auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Politiker, Philosophen, Kirchenfürsten und Sportler ihr Stelldichein in Gernsbach gaben. Zu nennen sind hier für das Zeitgeschehen: Heiner Geißler, Hans-Joachim Vogel, Annette Schavan, Manfred Rommel, Michel Friedman, Bernhard Vogel, die Bischöfe Klaus Engelhardt und Ulrich Fischer sowie Hermann Lübbe, Kurt Sontheimer, Heiner Brand und Oswald Metzger.

Die Sparte Literatur kam dabei nicht zu kurz. Lesungen und Vorträge in der Reihenfolge ihrer Ankündigungen von Gerd Andresen und Brigitte Walter, Maria von Bismarck, Michael Graumann und Andrej Kurkow sowie Vorträge von Rüdiger Görner, Ralph Freedman, Sigrid Löffler, Gunther Schmidt, Gabriele v. Arnim, Hans-Christoph Graf v. Nayhauss und Michael Verhoeven ergänzten das Programm ebenso wie szenische Bearbeitungen von Moritz Stoepel oder Schauspielern der Bredemeyer Company.

 

2005: 50-jähriges Jubiläum und Führungswechsel

Höhepunkt der Amtszeit von Ralf Winnes und Juliane Küssner war am 20. Februar 2005 die 50-Jahr-Feier der Kulturgemeinde Gernsbach. Der Autor und Filmemacher Otto Jägersberg aus Baden-Baden konnte zu dem Festvortrag über „Ankommende und abfahrende Dichter, literarische Vortragsreisen ins Murgtal und anderswohin“ gewonnen werden. Der musikalische Rahmen wurde von Jenny Abel, Elena Kuschnerova und Otmar Zwiebelhofer bestritten.

Nach über sieben Jahren als erster Vorsitzender legte danach im Juni 2005 Prof. Ralf Winnes sein Amt als erster Vorsitzender nieder. Nachfolger als erster Vorsitzender wurde Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Christoph Graf v. Nayhauss, der wie sein Vorgänger die Bereiche Zeitgeschehen und Literatur übernahm. Sein Debüt im Jahre 2005 war eine Lesung anlässlich des 50. Todestages von Thomas Mann und ein Vortrag von Alfred Grosser (Paris) als Beitrag zur 40-jährigen Städtepartnerschaft Gernsbach - Baccarat. Frau Juliane Küssner blieb im Amt für die Sparte der Musik. Weiterhin blieben Herr Bürgermeister Dieter Knittel qua Amtes, Herr Helmut Wittmann als Kassierer und Herr Andreas Leupolz als Schriftführer im Vorstand.

 

Die "Ära Küssner"

Die Mitgliederzahl der Kulturgemeinde war inzwischen auf 178 Bürger von Gernsbach gestiegen. Frau Juliane Küssner vermochte wie bisher großartige Musiker nach Gernsbach zu holen. Zu erwähnen sei nur das Streichquartett Quatuor Ebène und der Klavierabend mit Alfredo Perl. Ein organisatorisches Meisterstück gelang ihr, als im November 2006 Klaviersolisten aus gesundheitlichen Gründen das Konzert „Klassik und Jazz“ absagen mussten und sie kurzfristig das Fauré-Quartett verpflichten konnte, das weit mehr als nur ein Ersatz war.

Im Jahr 2006 jährte sich Mozarts Geburtstag zum 250. Mal. Dieses Jubiläum schlug sich in der Kulturgemeinde nicht nur im Bereich Musik nieder, sondern betraf auch Literatur und Zeitgeschehen. So hielt Hanns-Josef Ortheil eine Lesung über seine persönliche Mozartrezeption und Peter W. Jansen sprach über „Mozart im Kino“. Aber auch eine szenische Lesung zu Heines 150. Todestag von Moritz Stoepel, eine Podiumsdiskussion zur Stellung der Frau im Islam, das Theaterstück „Emily & George – Variationen einer Weltraumfahrt“ von David Mamet sowie ein Vortrag anlässlich Karl Barths 120. Geburtstag von Eberhard Busch standen auf dem Programm. Bis ins Jahr 2007 leistete Juliane Küssner eine wahre Herkules-Arbeit für das Gelingen des musikalischen Programms. In Gernsbach spielten das Klaviertrio Ondine, das Nomos-Quartett, die Klezmergruppe Dance of Joy, das Leipziger Streichquartett, das EnsembleMusiciJAHNa, das Meisterkonzert von Danjulo Ishizaka und Henri Sigfridsson sowie das Kammerorchester der staatlichen Hochschule für Musik Karlsruhe, das zugleich als Abschiedskonzert der Ära Küssner galt, denn die stellvertretende Vorsitzende Juliane Küssner gab nach zehn Jahren Verantwortung für das musikalische Programm ihr Amt ab, hatte aber schon Nachfolger geworben, die sich bereit fanden, die schwere Bürde ihres Amtes sich zu teilen.

 

2007: Neue Vorstandskombination

Im April 2007 wählte die Mitgliederversammlung als Nachfolger für Juliane Küssner den aus einer alteingesessenen Gernsbacher Familie stammenden Unternehmer Peter Oetker für die organisatorische und finanzielle Arbeit und Prof. Wolfhard Pencz, Soloklarinettist des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg und Professor an der Musikhochschule Mannheim, für den musikalisch-künstlerischen Bereich in den Vorstand der Kulturgemeinde. Prof. Dr. Graf v. Nayhauss blieb Vorstandsvorsitzender mit den Sparten Literatur und Zeitgeschehen. In der Literatur gab es 2007 Lesungen von Günter Kunert in der ersten Jahreshälfte und in der zweiten vom diesjährigen Büchnerpreisträger Martin Mosebach. Peter W. Jansens Angebot, Kinoausschnitte über „Geld oder Leben – Postraub im Kino“ zu zeigen, musste leider wegen Krankheit des Referenten ausfallen. In der neuen Vorstandskombination gelang es, die Sparkasse Rastatt-Gernsbach als Sponsor vor allem für die musikalischen Veranstaltungen zu gewinnen. Auch ein Vorverkauf in den fünf Filialen der Sparkasse Rastatt-Gernsbach wurde eingerichtet und die Veranstaltungsankündigungen konnten auf den Kundenkreis der Sparkasse ausgeweitet werden.

 

2008: Musikalische, literarische und zeitgeschichtliche Kostbarkeiten

Im Jahr 2008 waren mit Unterstützung der Sparkasse im musikalischen Bereich der Trompetensolist Reinhold Friedrich und Anna Kirichenko am Klavier zu hören, boten Konzertmeister des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg das Haydn Streichquartett als Rahmen für die Rezitation eines Textes von Martin Mosebach über das Grabtuch von Turin durch Hermann Beil und Johanna Wokalek dar, und es gab einen Duo-Abend mit Violine und Klavier von Kristof Barati und Akos Hernádi. Im Bereich Zeitgeschehen stellte der Demograph und Konfliktforscher Gunnar Heinsohn seine Thesen über „Wütende junge Männer oder fromme alte Bücher? Wer sorgt für Terror?“ vor. Günter Kunert las aus seinem Essayband „Auskunft für den Notfall“. Das Herbstprogramm begann mit einem Konzert des Barock-Ensembles Parnassi musici. Es folgte die Lesung des Gegenwartsschriftstellers Hartmut Lange. Der November war den Veranstaltungen anlässlich des 70. Jahrestages der Reichsprogromnacht vorbehalten: einem Vortrag des ehemaligen Botschafters Israels in Deutschland, Shimon Stein, über 60 Jahre Israel, dann der Vorführung und Kommentierung der NS-Propagandafilme „Der Ewige Jude“ und „Jud Süß“ durch Peter W. Jansen. Das Jahr beschlossen noch zwei musikalische Veranstaltungen: das Klavier-Duo der polnischen Künstlerinnen Anna und Ines Walachoswky und das Epsilon-Ensemble „The French Brass“ aus Frankreich.

 

2009 Kulturelle Leckerbissen

Für das Jahr 2009 konnte die Kulturgemeinde Gernsbach ein positives Fazit ziehen. Hatte schon die Presse bei der Jahreshauptversammlung im Mai 2009, auf der das Führungstrio der Kulturgemeinde H.-Chr. Graf v. Nayhauss, P. Oetker und W. Pencz einstimmig bestätigt wurde, von „vielen kulturellen Leckerbissen“ in der Vergangenheit berichtet, so zeichnete sich auch das Angebot für die zweite Jahreshälfte sowohl im Bereich Musik als auch Literatur und Zeitgeschehen durch ungewöhnliche Veranstaltungen aus. War in der ersten Jahreshälfte neben den hochkarätigen Musikveranstaltungen wie das Barati-Meisterkonzert und Das Forellenquintett des Charis-Ensembles vor allem die Veranstaltung über die Kreutzer-Sonaten in Musik und Literatur mit Hermann Beil hervorzuheben, stand die zweite Jahreshälfte diesmal im Bereich Literatur und Zeitgeschehen im Zeichen des Jubiläums des 20jährigen Mauerfalls und des 60jährigen Jubiläums der neuen Bundesrepublik Deutschland. In diesem Rahmen berichtete der Zeitzeuge Mainhardt Graf v. Nayhauss von seinen Reisen mit dem Kanzler in Warschau, als die Mauer fiel, und vom Ringen um die deutsche Einheit auf Gorbatschows Datscha im Kaukasus. Der Gegenwartsschriftsteller Ingo Schulze ließ die Gernsbacher Zuhörer an seiner persönlichen Sicht der deutschen Wiedervereinigung und an der Atmosphäre vor dem Zusammenbruch der DDR in seinen Romanen teilnehmen. Im Bereich Musik gelang es, die musikalischen Weltklasse-Ensembles, das Fauré-Quartett und das wohl derzeit weltbeste Streichquartett, das Artemis-Quartett, nach Gernsbach zu holen.


2010 mit der Sparkasse Rastatt-Gernsbach und dem Südwestrundfunk

Der Rückblick auf das Jahr 2010 war geprägt von der Zusammenarbeit der Kulturgemeinde mit der Sparkasse Rastatt-Gernsbach, die es uns ermöglichte, namhafte Spitzenkräfte für die musikalischen Veranstaltungen zu gewinnen. Ebenso erfreulich war das Interesse des Südwestrundfunks an den musikalischen Veranstaltungen der Kulturgemeinde, die zum wiederholten Male aufgezeichnet wurden. Insgesamt konnte die Kulturgemeinde Gernsbach für das Jahr 2010 ein positives Fazit für die elf Veranstaltungen ziehen. Sowohl im Bereich Musik als auch in den Bereichen Literatur und Zeitgeschehen konnten wiederum namhafte Künstler, Zeitzeugen und Autoren wie z. B. Michael Buback oder Inge Jens gewonnen werden, die ihrerseits das Interesse und die Aufgeschlossenheit des Gernsbacher Publikums sehr schätzen.


2011 Konsolidierung des Haushalts

Der Rückblick auf das Jahr 2011 war wiederum geprägt von der Zusammenarbeit der Kulturgemeinde mit der Sparkasse Rastatt-Gernsbach, die es uns ermöglichte, namhafte Spitzenkräfte für die musikalischen Veranstaltungen zu gewinnen. Ebenso erfreulich war das Interesse des Südwestrundfunks an den musikalischen Veranstaltungen der Kulturgemeinde, die zum wiederholten Male aufgezeichnet wurden.  Insgesamt konnte die Kulturgemeinde Gernsbach für das Jahr 2011 wiederum ein positives Fazit für die neun Veranstaltungen ziehen. Sowohl im Bereich Musik als auch in den Bereichen Literatur und Zeitgeschehen konnten wiederum namhafte Künstler, Zeitzeugen wie Joachim Gauck, unser späterer Bundespräsident, Heiner Geißler und Autoren wie Otto Jägersberg, Martin Mosebach sowie der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate gewonnen werden.

Die Kulturgemeinde dankte der Stadt Gernsbach, dass sie trotz der notwendigen Haushaltseinsparungen uns nach wie vor unterstützt. Dennoch haben wir uns im Vorstand vor allem wegen der stark angestiegenen Honorare der Künstler dazu entschlossen, ab 2012 die Eintrittspreise minimal zu erhöhen, aber die Höhe des Mitgliedsbeitrags unverändert zu lassen.


2012 Die neue alte Mannschaft

Dass das Weltklasse-Ensemble Fauré Quartett wieder in Gernsbach konzertierte, war fast ein kleines Wunder. Trotz der weltweiten Verpflichtungen des FauréQuartetts kamen die Künstler gerne wieder nach Gernsbach zur Kulturgemeinde. Im Gepäck für das Konzert, welches wiederum vom SWR mitgeschnitten wurde, hatten die Musiker Klavierquartette von Mozart, Fauré und Dvorak. Im Bereich Literatur konnte Iliya Trojanow zu einer Lesung gewonnen werden. Trojanow, geboren in Bulgarien, aufgewachsen in Afrika, zur Schule gegangen in Deutschland, hielt sich lange Zeit in Arabien, Afrika und Indien auf und lebt heute in Wien. Zahlreiche Romane und Reportagen sind die Frucht dieser Aufenthalte. Er las nicht aus seinem letzten von der Gletscherschmelze handelnden Roman “Eistau”, sondern trug das Buch auswendig vor.  Es folgte im Bereich der Literatur das heiter erotisch-melancholische Liebesspiel in Szenen, Gedichten, Geschichten und Liedern des bekannten Schauspielers, Sprechers und Rezitators Moritz Stoepel „Darf ich Ihnen mein Herz zu Füßen legen“. Im Bereich Musik konnte die Kulturgemeinde zum Halbjahresabschluss eine Perkussion in der spannenden Besetzung mit drei Schlagzeugern, einer Flötistin und einem Pianisten veranstalten, die „Ma Mère LÓye“ von Maurice Ravel und „Six Épigraphes antiques“ von Claude Debussy darboten. Die Sprecherin Cathrin Romeis ergänzte die musikalischen Darbietungen mit passenden Texten aus Märchen und Gedichtsammlungen der zeitgenössischen französischen Literatur - ein impressionistischer Ausflug zu unseren Nachbarn über den Rhein.

Auf der Jahreshauptversammlung am 15. Mai 2012 wurde der Vorstand der Kulturgemeinde in der gleichen Zusammensetzung einstimmig wiedergewählt. Auch die neue Satzung der Kulturgemeinde konnte endlich amtsgerichtlich notariell bestätigt werden.

Wir danken der Stadt Gernsbach, dass sie trotz der notwendigen Haushaltseinsparungen uns nach wie vor unterstützt. Dennoch haben wir uns im Vorstand vor allem wegen der stark angestiegenen Honorare der Künstler dazu entschlossen, ab 2012 die Eintrittspreise zu erhöhen, aber die Höhe des Mitgliedsbeitrags unverändert zu lassen. Für musikalische Veranstaltungen wurde der Eintrittspreis von 13 auf 16 Euro, für Mitglieder von 10 auf 13 Euro und für Schüler und Studierende von 5 auf 6 Euro angehoben. In den Bereichen „Literatur“ und „Zeitgeschehen“ stiegen die Eintrittspreise von 10 auf 12 Euro, für Mitglieder von 8 auf 10 Euro und bei Schülern und Studierenden von 5 auf 6 Euro.

Insgesamt konnte die Kulturgemeinde Gernsbach für das Jahr 2012 wiederum ein positives Fazit für die zehn angekündigten Veranstaltungen ziehen. Leider musste die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Frau Warminski-Leitheußer, ihren Vortrag über die Neue Bildungspolitik in Baden-Württemberg kurzfristig auf das Jahr 2013 verschieben. Sowohl im Bereich Musik als auch in dem Bereich Literatur und Zeitgeschehen konnten wiederum namhafte Künstler und Autoren gewonnen werden, die ihrerseits das Interesse und die Aufgeschlossenheit des Gernsbacher Publikums sehr schätzten. So waren in der zweiten Jahreshälfte 2012 im Bereich Literatur und Zeitgeschehen Lars Brandt, Sohn Willy Brandts, mit einer Lesung aus seinem Kurzprosabuch „Andenken“ an seinen Vater und seinem neuesten Roman  „Alles Zirkus“ und der österreichische Schriftsteller Raoul Schrott mit seinem Buch „Gehirn und Gedicht“ und seiner Erzählung „Das schweigende Kind“ in der Kulturgemeinde Gernsbach zu Gast. Im Bereich Musik gab es zwei Meisterkonzerte. Im ersten spielten Julian Steckel und Paul Rivinius Cello und Klavier, im zweiten glänzte Martin Helmchen am Klavier mit klassischen Werken. Musikalischer Höhepunkt der Veranstaltungen war das Freiburger Barockorchester mit seinem Weihnachtskonzert.


2013 Vergangenheit und Gegenwart

Sowohl im Bereich Musik als auch in den Bereichen „Literatur“ und „Zeitgeschehen“ wurden wiederum namhafte Künstler und Autoren gewonnen, die ihrerseits das Interesse und die Aufgeschlossenheit des Gernsbacher Publikums sehr schätzten. So trugen in der Rubrik Literatur und Zeitgeschehen Dr. A. Bergengruen über die ‚Henker im Alten Deutschland‘ und Prof. Dr. Jan Knopf über seine neue preisgekrönte ‚Brecht-Biographie‘ vor. Es lasen die Autoren Wolf Wondratschek und Thomas Rosenlöcher, und anstelle der zurückgetretenen Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Frau Warminski-Leitheußer, sprach ihr Nachfolger Minister A. Stoch über die „Neue Bildungspolitik in Baden-Württemberg“. Die musikalischen Leckerbissen, angefangen vom Minetti Quartett über das Leibnitz Trio, das Carion Bläserquintett, das Armida Quartett bis hin zum Weihnachtskonzert des Vokalensembles Rastatt, fanden auch hinsichtlich ihrer Zuhörerschaft große Resonanz.


2014 Weltkriegsgedenken und hochkarätige Musikensembles

Für die elf angekündigten Veranstaltungen konnten sowohl im Bereich Musik als auch in den Bereichen Literatur und Zeitgeschehen wiederum namhafte Künstler und Autoren gewonnen werden, die ihrerseits das Interesse und die Aufgeschlossenheit des Gernsbacher Publikums sehr schätzten. Den Auftakt der Veranstaltungen bildete die biographische Erzählung von Denis Goldberg, dem einzigen weißen Mitstreiter Nelson Mandelas und Anti-Apartheits-Kämpfer in Südafrika. In der Rubrik Literatur las dann der renommierte Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Sten Nadolny aus seinem Gesamtwerk. Im Jahr des hundertjährigen Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs sprachen der Literatur- und Kulturwissenschaftler Prof. Hans-Christoph Graf v. Nayhauss über den „deutschen Geist vor hundert Jahren“ und der Historiker Prof. Jörn Leonhard über seine gesamteuropäische Darstellung des Ersten Weltkriegs „Die Büchse der Pandora“. Auch die Vorträge von Prof. Dr. Bernhard Schäfers über „Max Weber:  Ein Leben zwischen Wissenschaft und Politik“ und von Dr. Michael Winterhoff über „SOS Kinderseele“: Was die emotionale und soziale Entwicklung unserer Kinder gefährdet –und was wir dagegen tun können“ fanden ein zahlreiches Publikum. Die musikalischen Leckerbissen, die im Februar 2014 mit dem „Quintessenz – Leipziger Querflötenensemble“ und dem „Modigliani Quartett“ begannen und im April mit dem Ensemble Epsilon „The French Brass“ das erste Halbjahr 2014 beschlossen und die im zweiten Halbjahr mit dem „Münchner Gitarrentrio“, dann mit dem in Gernsbach fast schon beheimateten „Fauré Quartett“ und schließlich im Weihnachtskonzert mit den Bläsersolisten des „Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks“ gipfelten, erwiesen sich nach wie vor als Publikumsmagneten. Sie bestätigten die Arbeit des Vorstands der Kulturgemeinde.

 
2015 Beschwingt ins Neue Jahr

Mit dem Neujahrskonzert des SWR Swing Fagottetts eröffnete die Kulturgemeinde Gernsbach das neue Jahr. Im Februar schlossen sich das „Armida Quartett“ und im April das „Trio ex aequo Ensemble“ mit ihren Darbietungen an. In der zweiten Jahreshälfte folgte das Meisterkonzert mit István Várdai und Zoltán Fejervári sowie das Weihnachtskonzert mit der Primadonna Simone Kermes und dem Alliage Quintett. Alle Konzerte wurden dankenswerterweise wieder von der Sparkasse Rastatt - Gernsbach unterstützt. In der Rubrik Literatur und Zeitgeschehen las der renommierte Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Bodo Kirchhoff aus seinem neuesten Roman „Verlangen und Melancholie“. Im Mai folgte ein gut besuchter Vortrag von Dr. med. habil. Richard Klatt über „Mythen und Fakten in der Medizin“. In der zweiten Jahreshälfte sprach Prof. Dr. Frank-Rutger Hausmann über „‘Vertriebene und Gebliebene‘: Die deutschen Universitäten in den Jahren 1933 bis 1945“. Die anschließenden Autorenlesungen im November des ehemaligen Fernsehredakteurs und Reporters Georg Felsberg über seine Indienreisen und die im großen Saal der Stadthalle stattfindende Lesung des deutschen Gegenwartsautors russisch-jüdischer Herkunft Wladimir Kaminer rundeten das Programm in den Bereichen Literatur und Zeitgeschehen ab.
In der Jahreshauptversammlung am 10. Juni 2015 wurde der bisherige Vorstand der Kulturgemeinde Gernsbach erneut einstimmig wieder gewählt: Prof. Dr. Hans-Christoph Graf v. Nayhauss zum Vorsitzenden, Prof. Wolfhard Pencz und Peter Oetker zu den zwei weiteren Mitgliedern des Vorstands gemäß der neuen Satzung.  


2016 „Hochkarätige Gäste“ (BT vom 21.07.2016)

In der ersten Jahreshälfte 2016 gab es musikalisch und literarisch erneut zahlreiche Höhepunkte. Im Bereich Literatur und Zeitgeschehen konnten im März den Jun. Prof. Dr. Jörg Imran Schröter mit einem Vortrag „Die Flüchtlinge – neue Herausforderungen und neue Perspektiven für den islamischen Religionsunterricht in Baden-Württemberg?“ sowie im April den Gegenwartsautor und Filmemacher Otto Jägersberg zur Lesung aus seinem neuesten Gedichtband „Keine zehn Pferde“ und seinem „Otto Jägersberg Lesebuch“ gewonnen werden. Im Bereich der Musik kam das „Notos Klavier-Quartett“ im Januar 2016 nach Gernsbach zu Gast, und im April freuten wir uns auf das weltweit bekannte „Vogler Streich-Quartett“.

Für die zweite Jahreshälfte 2016 möge einfach der Flyer die Aktivitäten der Kulturgemeinde dokumentieren:

Programm der Kulturgemeinde Gernsbach in der zweiten Hälfte 2016

Sonntag, 09.Oktober 2016, 18 Uhr in der Stadthalle
Meisterkonzert mit dem Fauré Quartett

In der Reihe der Meisterkonzerte der Kulturgemeinde Gernsbach ist es immer wieder gelungen, hervorragende Künstler zu verpflichten. Auch beim Meisterkonzert mit dem Fauré Quartett können sich die Besucher auf einen außergewöhnlichen musikalischen Genuss freuen. Zum wiederholten Mal ist das weltberühmte Ensemble zu Gast in Gernsbach.
„Das Fauré Quartett gehört zum Besten, was man derzeit hören kann“ schreibt Harald Eggebrecht in der Süddeutschen Zeitung.
Nach den letzten Auftritten des Quartetts in Gernsbach sprach die Presse von einem Glücksgriff für die Kulturgemeinde Gernsbach.
„Wer das Fauré Quartett hört, möchte es wieder hören“, sagte die berühmte Pianistin Martha Argerich nach einem Konzert in Karlsruhe. Ein Wiederhören mit dem Fauré Quartett gibt es in Gernsbach mit Interpretationen der Klavier-Quartette von W.A. Mozart in g-moll KV 748 und von J. Brahms in A-Dur op. 26.



Sonntag, 30 Oktober 2016 in der Stadthalle
Lesung und Werkstattgespräch des Gegenwartsautors und Büchnerpreisträgers Reinhard Jirgl  über seinen neuesten Roman  „Oben das Feuer, unten der Berg“.

Reinhard Jirgl, der in der DDR Elektronik studierte und als Hochschulingenieur an einem Forschungsinstitut der DDR und schließlich als Beleuchtungs- und Service-Ingenieur an der Berliner Volksbühne in der DDR arbeitete, lebt seit 1996 als freier Schriftsteller in Berlin. Er ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und seit 2009 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Zwar schrieb er bis 1989 nur „für die Schublade“, denn alle seine Werke, die experimentelle Formen aufgreifen, konnten damals in der DDR nicht erscheinen: Die Abgründe der bürgerlichen Familie, der Einzelne und die Macht. Jirgls Texte verdeutlichen, dass es unmöglich ist, den eigenen Vergangenheiten zu entrinnen. Auch in seinem Roman „Oben das Feuer, unten der Berg“ wird deutlich, dass nach 1989 der große bürokratische Umbau dessen, was man die „Wende“ nannte, alles intakt gelassen hatte, was man vergangen glaubte: Seilschaften, Organisationen, Feindschaften, so dass das Gestern auch morgen noch nicht zu Ende ist. Jirgl versucht in seinem neuen Roman das Land DDR von seinen Verbrechen her zu verstehen.


Sonntag, 6. November 2016 im Karl-Barth-Haus in Gernsbach
Vortrag von Frau Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha (KIT Karlsruhe) über „Neue Herausforderungen der Integration in Deutschland und der EU“

Der Vortrag von Frau Prof. Dr. Robertson-von Trotha richtet einem besonderen Fokus auf Deutschland. Eurokrise, Griechenlandkrise, Flüchtlingskrise – mit den Migrationsbewegungen und der Flüchtlingskrise im Kontext der europäischen Polarisierung, mit jeder dieser Krisen scheint die europäische Gemeinschaft spürbarer in sich widersprechende Positionen zu geraten. Verschiedene negative Entwicklungen wecken Ängste, wie z.B. den Verlust des nationalen und regionalen Kulturerbes sowie der individuellen Identität; den Verlust von Arbeitsstellen infolge des enormen wirtschaftlichen Globalisierungsdrucks und der Migrationsbewegungen; aber auch die Angst vor der Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte, vor allem in ländlichen Gebieten. Doch anstelle der dringend notwendigen Klärung dieser Punkte auf europäischer Ebene zeichnen sich Populismus, aufkommender Rechts- und Linksextremismus, neue Nationalismen und Alleingänge einzelner Länder ab, wie insbesondere das „BREXIT“- Referendum verdeutlicht. Frau Professor Robertson-von Trotha versucht Licht in dieses Chaos zu bringen.


Sonntag, 13.November 2016, !17 Uhr! in der Stadthalle
Bläser-Kammermusik der Hochschule für Musik Mannheim


Erstmalig wird den Zuhörern des Konzerts ein Bläser-Kammermusikabend in Gernsbach dargeboten, der sonst zweimal jährlich in Mannheim und Heidelberg stattfindet. Studierende der Bläserklassen der Staatlichen Hochschule für Musik Mannheim präsentieren ein vielfältiges Programm. Es werden dabei Holz- und Blechbläser in verschiedensten Besetzungen musizieren, vom Duo oder Trio bis hin zur Bläserserenade, oder in großen Besetzungen mit mehr als zehn Bläsern, dann  geleitet vom Vize-Präsidenten der Hochschule für Musik Mannheim
Prof. Ehrhard Wetz. Im Programm können sich die Zuhörer von Bläsermusik aus verschiedenen Zeitepochen und unterschiedlicher Stilrichtungen erfreuen lassen und einen abwechslungsreichen Abend genießen.


Mittwoch, 23. November, 19 Uhr in der Stadthalle
Vortrag von Prof. Dr. Carsten Gansel (Universität Gießen) über  Heinrich Gerlachs „Durchbruch bei Stalingrad“, einen Roman, der „zurück aus 70 Jahren Kriegsgefangenschaft“ ist.

Heinrich Gerlachs großer Antikriegsroman: Direkt nach der Schlacht um Stalingrad im sowjetischen Kriegsgefangenenlager geschrieben, durch verschiedene Arbeitslager gerettet, aber letztendlich 1949 vom russischen Geheimdienst konfisziert – ist nun in russischen Archiven wiederaufgefunden, in seiner Urfassung herausgegeben, mit einem dokumentarischen Anhang versehen und jetzt nach fast 70 Jahren erstmals von Carsten Gansel veröffentlicht worden.
Im Rahmen von Projekten zu „Literatur und Gedächtnis“ beschäftigt sich Carsten Gansel seit Anfang der 1990er Jahre mit Fragen der Erinnerung. In diesem Zusammenhang ging es auch um Forschungen zur Darstellung des Zweiten Weltkrieges in der Literatur in Ost und West und dabei nicht zuletzt um Stalingradromane. Dabei war Gansel früh auf Heinrich Gerlachs Buch „Die verratene Armee“ gestoßen, das der Autor unter Hypnose wieder erinnert hatte und das 1957 zu einem Millionenbestseller geworden war. Immer wieder stellte sich Gansel die Frage, wie wohl die Urfassung dieses vom sowjetischen Geheimdienst konfiszierten Romans aussehen würde. Endlich, 2012, gelang es ihm in einem russischen Archiv das verlorene Manuskript wiederzufinden. Die Edition dieses einzigartigen Dokuments dauerte weitere vier Jahre. Im März 2016 konnte Heinrich Gerlachs „Durchbruch bei Stalingrad“ endlich im Galiani Verlag (Berlin) erscheinen und wurde ein internationaler großer Erfolg. Carsten Gansel wird über die spannende Suche und das Wiederfinden von Heinrich Gerlachs „Durchbruch bei Stalingrad“ berichten und aus dem Roman lesen.


 
Sonntag, 04.Dezember 2016, 18 Uhr in der Stadthalle
Weihnachtskonzert der Kulturgemeinde mit dem Vocalensemble Rastatt & Les Favorites Leitung Holger Speck

Das Weihnachtskonzert der Kulturgemeinde Gernsbach, welches mit der freundlichen Unterstützung der Sparkasse Rastatt Gernsbach stattfindet, stellt auch in diesem Jahr einen musikalischen Höhepunkt dar.
„Sein Klang ist wie reines Gold“, so schreibt der American Record Guide über das Vocalensemble Rastatt. Mittlerweile zählt es mit seinem charismatischen künstlerischen Leiter und Dirigenten Holger Speck zur internationalen Spitzenklasse. Zwingende, stilgetreue und historisch informierte Interpretationen haben den exzellenten Ruf ebenso begründet wie leidenschaftliches und emotionales Musizieren.
Die instrumentale Formation Les Favorites ist der Begleiter des Vocalensembles Rastatt und spielt auf Originalinstrumenten in verschiedenen Besetzungen von der Continuo-Gruppe bis zum großen Orchester mit international ausgewiesenen Musikern. Namensgeber der Formation ist das Lustschlößchen Favorite der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden mit seiner sinnenfrohen Architektur. "Schwingt freudig Euch empor!" Im Weihnachtskonzert erklingen die Adventskantaten von Johann Sebastian Bach „Schwingt freudig Euch empor“ BWV 36  und  „Herz und Mund und Tat und Leben“  BWV 147. Die Solisten sind Maria Bernius ( Sopran ), Adam Schilling (Altus), Arndt Krueger und Thomas Jacobs (Tenor), sowie Leonhard Geiger ( Bass).